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Mit Herzenswärme zum Erfolg

Bis vor wenigen Jahren galt die Orthopädie als eine der letzten Männerdomänen in der Medizin. Prof. Andrea Meurer, Direktorin der Orthopädischen Klinik Friedrichsheim, weiß es besser. „Orthopädie hat nicht nur mit Kraft zu tun, sondern auch mit Geschicklichkeit und den richtigen Instrumenten“, schmunzelt die 51-Jährige. Wenn Meurer im OP mit geschicktem Griff den künstlichen Hüftkopf in die Pfanne drückt, ist das für OP-Personal und Anästhesie längst ein normaler Anblick: Über die Hälfte der 43 Ärzte im Friedrichsheim sind weiblich.

Rund 800 Prothesen setzen die Orthopädin und ihr Team jährlich an Knie und Hüfte ein. Die meisten Patienten, die sich hier behandeln lassen, wählen die Klinik sehr bewusst. „Zu uns kommen viele, die man in anderen Krankenhäusern abgewiesen hat“, meint Meurer, die seit 2012 die Direktorin und Geschäftsführerin der Orthopädischen Klinik Friedrichsheim ist. So implantieren die Frankfurter Orthopäden trotz des hohen Blutungsrisikos auch Patienten mit der Bluter-krankheit ein neues Gelenk – genauso wie Menschen, die nach einem Unfall an Knie oder Hüfte voroperiert sind oder unter einer angeborenen Fehlbildung leiden. Die Fachklinik liegt direkt neben der Uniklinik Frankfurt, sodass auch anderweitig vorerkrankte Patienten hier medizinisch auf höchstem Niveau versorgt werden können.

Um auch bei den medizinisch anspruchsvollen Patienten ein perfektes Ergebnis zu erzielen, nutzen die Ärzte in Friedrichsheim modernste Verfahren. Als erste Klinik bundesweit arbeiten sie mit dem HipEOS-System, einer 3D-Planungs-software. Das Gerät erinnert entfernt an eine Duschkabine, scannt die Patienten in Echtgröße und benötigt weniger Röntgenstrahlung als herkömmliche Systeme. Verzerrungen, wie sie durch die notwendige Vergrößerung bei Röntgenaufnahmen entstehen, gibt es hier nicht. Der Scanner entwirft ein dreidimensionales Modell des stehenden Skeletts auf dem Bildschirm. „Damit lässt sich die gesamt Statik beurteilen“, erklärt Meurer, „sodass wir virtuell ausprobieren können, welche Prothese für den individuellen Patienten die beste ist.“

Nach der OP durchlaufen die Patienten ein standardisiertes Programm zur Genesung – entwickelt und erprobt von den Experten in Friedrichsheim. Es besteht aus einer konsequenten Schmerzbehandlung, früher Mobilisation und regelmäßiger Bewegungstherapie. Der Therapieplan sieht vor, dass die Patienten sechs Tage nach dem Eingriff die Klinik in Richtung Reha verlassen. „Unser Ziel ist es, dass die Patienten schnell wieder fit sind“, so Meurer. Mit ambulanten Hüft-OPs und Liegezeiten von zwei, drei Tagen, wie sie heute in den USA üblich sind, kann sich die Endoprothetikspezialistin aber nicht anfreunden. „Ein neues Gelenk ist ein großer Eingriff, der Patient braucht Zeit zur Erholung.“

Auch nach der Reha betreuen die Frankfurter Ärzte ihre Endoprothetikpatienten engmaschig. Vor allem nach komplexen Eingriffen, beispielsweise einem erneuten Prothesenwechsel, bei angeborener Fehlstellung oder nach einem Trauma schleusen die Frankfurter Ärzte die Patienten durchs Bewegungsanalyse-Labor. Acht Kameras und in den Boden eingelassene Kraftmessplatten erfassen und analysieren dreidimensional die Bewegungsabläufe mit dem Kunstgelenk. Damit lassen sich Muskeldefizite und Bewegungsfehler erkennen und analysieren. „Anhand der Ergebnisse können wir den Patienten ganz genau sagen, welche Übungen sie machen müssen, um Fehlbelastungen durch ein gezieltes Muskeltraining auszugleichen“, erklärt Orthopädin Meurer.

„Um ein perfektes Ergebnis für den Patienten zu erzielen, nutzen wir modernste Verfahren wie das HipEOS-System, einer 3D-Planungssoftware in der Endoprothetik.”

Prof. Dr. Andrea Meurer

Um die Ergebnisse in der Endoprothetik auch zukünftig zu verbessern, forschen die Mediziner in Friedrichsheim an zahlreichen Themen: Außer dem Bewegungsanalyse-Labor gibt es das Gewebelabor. Hier arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung künstlicher Knochen, Sehnen und Gelenke. Im großen Arthrose-Forschungsbereich untersuchen sie die Arthrose „von vorn bis hinten“. Bislang erkennen Mediziner die Erkrankung in der Regel erst, wenn die Schäden an Knorpel und Knochen bereits irreparabel sind. Wie die Arthrose entsteht und wie man ihr vorbeugt, ist noch weitgehend unbekannt – und das Ziel der Untersuchungen in Frankfurt. Eines Tages, so Meurers Hoffnung, lassen sich mit den Ergebnissen neue Therapien entwickeln, welche den Gelenkersatz hinauszögern könnten.

Bis es so weit ist, wird Klinikdirektorin Andrea Meurer noch viele neue Gelenke einsetzen – ein Job, den sie liebt. „Mir macht es Spaß, mich jeden Tag aufs Neue gut um unsere Patienten zu kümmern und ihnen ein Leben ohne Schmerzen zu ermöglichen“, so die gebürtige Rheinländerin. „Die Patienten spüren, dass wir hier gern arbeiten und loben die Freundlichkeit und Herzlichkeit in unserem Haus.“ Auch der Respekt ihrer Mitarbeiter ist ihr gewiss – ganz ohne autoritären Führungsstil, sondern weil sie ihnen vertraut und Freiheiten lässt. „Ich bin zutiefst dankbar, dass es mir gelungen ist, so weit zu kommen, das möchte ich auch anderen ermöglichen“, meint Meurer, die Anfang 2017 als zweite Frau Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) wurde.

Kontakt

Prof. Dr. med. Andrea Meurer

Prof. Dr. med. Andrea Meurer, Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim GmbH

Orthopäde > Frankfurt am Main
Adresse:

Marienburgstraße 2
60528 Frankfurt am Main