Premium Praxen

Dr. Dominik von Lukowicz über den richtigen Umgang mit einem sensiblen Thema

Intimchirurgie ist kein Tabu mehr

Der Intimbereich einer Frau ist, nicht nur was Berührungen angeht, einer der sensibelsten Areale des weiblichen Körpers. Ästhetisch oder funktionell störende Bereiche führen dazu, dass sich viele Frauen in ihrer Nacktheit gehemmt und unsicher oder sogar in ihrem Alltag gestört fühlen. Vielen fällt es nach wie vor schwer, darüber zu sprechen und einen Arzt aufzusuchen. Im Interview erklärt Dr. Dominik von Lukowicz PREMIUM Kliniken & Praxen, wie man betroffenen Patientinnen helfen kann.

Für die Frauen ist es sicher nicht leicht, mit einem fremden Mann über derartige Probleme zu sprechen. Wie gehen Sie damit um?

Bei diesem sensiblen Thema ist es besonders wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Ich nehme mir viel Zeit, um die individuellen Bedürfnisse zu verstehen und für jede Patientin die richtige Lösung zu finden. Als Facharzt mit der Erfahrung vieler hundert Operationen im Intimbereich verstehe ich die medizinischen und funktionellen Fragen. Als Mensch respektiere ich die natürliche Scham, mit einem Fremden über dieses sehr persönliche Thema zu sprechen. Feingefühl und Diskretion stehen dabei für mich an erster Stelle.

Welche Beschwerden und Wünsche haben die Frauen, die wegen einer intimchirurgischen Behandlung zu Ihnen kommen?

Die meisten meiner Patientinnen leiden unter zu großen, zu kleinen oder asymmetrischen Schamlippen, die nicht nur zu ästhetischen, sondern zum Teil auch zu funktionellen Beschwerden führen. Zum Beispiel verursachen weit heraushängende innere Schamlippen oft Schmerzen beim Sport und beim Geschlechtsverkehr, aber auch die Hygiene ist problematischer und es kann zu Infektionen und Pilzerkrankungen kommen. Aber wir führen auch immer wieder Narbenkorrekturen nach Kaiserschnitten, Rekonstruktionen von Jungfernhäutchen, Behandlungen wegen Vaginismus (Scheidenkrampf), G-Punkt-Unterspritzungen oder Venushügelverkleinerungen durch.

Wie genau gehen Sie bei einer Schamlippen-Korrektur vor?

In der modernen Intimchirurgie haben sich je nach Diagnose bzw. Erscheinungsbild zwei unterschiedliche Vorgehensweisen bewährt: zum einen die Verkleinerung der inneren Schamlippen, auch Labienplastik genannt, nur unterhalb der Klitoris. Das ist die operativ einfachste Technik, bei der in einem schonenden Operationsverfahren überschüssiges Gewebe unterhalb der Klitoris sanft und milimetergenau entfernt wird. Zum anderen die Labienplastik mit Korrektur des Klitorismantels, bei der nicht nur die überschüssige Haut der Schamlippen entfernt, sondern auch der Klitorismantel verkleinert und gestrafft wird. Dies ist die am häufigsten angewendete Technik, da sie meist die beste Lösung für eine harmonische und natürliche Korrektur des Intimbereichs darstellt. Selbstverständlich steht bei jeder Behandlung dieser Art die Erhaltung der vollen Empfindsamkeit an erster Stelle.

Wie muss man sich den Heilungsprozess vorstellen? Gibt es störende Narben?

Die anschließende Heilung hängt auch von der Mitarbeit der Patientin ab. Zu Anfang sollte sie sich schonen und die betroffenen Stellen entlasten. Narben sind schon nach wenigen Wochen nahezu unsichtbar. Wenn alle Empfehlungen bei der Nachbehandlung befolgt werden, ist der Heilungsprozess schnell und unproblematisch.

Sie haben zu Anfang des Interviews die Rekonstruktion des Jungfernhäutchens erwähnt. In welchen Situationen wünschen sich Frauen diese Art der Behandlung?

In vielen Kulturen ist das Jungfernhäutchen, auch Hymen genannt, nach wie vor ein Zeichen für Unberührtheit und Reinheit und oft auch Voraussetzung für eine Heirat. Normalerweise reißt das Hymen beim ersten Geschlechtsverkehr ein, es kann aber auch beim Sport oder durch einen Unfall kaputt gehen. Bei einer professionellen Hymenrekonstruktion wird körpereigenes Vaginalgewebe oder das Rest-Hymen verwendet, um das Jungfernhäutchen möglichst naturgetreu zu rekonstruieren.

Frauen, die unter Vaginismus oder Scheidenkrampf leiden, haben oft starke Schmerzen und sind in verschiedener Hinsicht stark eingeschränkt. Was macht diese Krankheit aus und wie können Sie diesen Patientinnen helfen?

Vaginismus ist ein oft verkanntes Krankheitsbild. Frauen, die darunter leiden, spannen unwillentlich und ohne dies steuern zu können die Muskeln am Eingang der Vagina an. Dies führt dazu, dass der Geschlechtsverkehr schmerzhaft, in schweren Fällen auch unmöglich ist. Die Benutzung von Tampons und gynäkologische Untersuchungen sind ebenfalls mit Schmerzen verbunden oder nicht möglich. Schmerzhafte Erfahrungen und Angst vor weiteren Schmerzen führen zu einer Verstärkung der Symptome. Durch die Behandlung mit Botulinum Toxin erreichen wir eine Entspannung der betroffenen Muskulatur, ohne dass die Patientin darauf Einfluss nehmen kann, d.h. dass auch die unwillentliche Verspannung wegfällt. Das Botulinum wird an verschiedenen Stellen in die Vaginalmuskulatur eingespritzt. Noch unter Betäubung wird ein Dilator eingeführt. Im Laufe der folgenden Tage und Wochen wird dies konsequent geübt. Die Botulinum-Wirkung und damit die Entspannung der Muskulatur setzen nach zwei bis vier Tagen ein. Bereits nach zwei bis drei Wochen ist in den meisten Fällen ein schmerzfreier Geschlechtsverkehr möglich. Und auch wenn die Wirkung des Botulinums nach vier bis sechs Monaten nachlässt, kommt es in der Regel nicht zu Rückfällen, weil der Teufelskreis durchbrochen ist.

Sie führen in Ihrer Praxis neben den eben erläuterten noch einige andere intimchirurgische Eingriffe durch. Insgesamt konnten Sie in den letzten Jahren vielen hundert Patientinnen mit Beschwerden in diesem Bereich helfen. Haben Sie das Gefühl, dass das Thema Intimchirurgie langsam seinen Tabucharakter verliert?

Davon bin ich überzeugt und auch die Zahlen, die die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) zuletzt veröffentlicht hat, bestätigen das: Allein im Jahr 2011 wurden über 5.400 Schamlippenkorrekturen und rund 350 vaginale Operationen durchgeführt, Tendenz steigend. Generell ist die Intimchirurgie heutzutage sehr weit fortgeschritten und verspricht bei fachgerechter Ausführung gute Ergebnisse, die den Frauen ein neues Selbstbewusstsein und damit mehr Lebensqualität verschaffen können.