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Oft erst spät entdeckt: altersbedingte Makuladegeneration (AMD) oder Altersblindheit

Wir werden immer älter, und viele von uns bleiben dabei auch länger fit, weil sie gesund und bewusst leben. Gegen ein erblich bedingtes erhöhtes Erkrankungsrisiko allerdings kann ein verantwortungsvoller Lebensstil meist nur wenig ausrichten. Dazu zählt die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), auch Altersblindheit genannt, die zur häufigsten Ursache für den Verlust der Lesefähigkeit geworden ist. Litt bereits ein Elternteil darunter (oder sind Geschwister daran erkrankt), steigt das eigene Erkrankungsrisiko ab dem 50. Lebensjahr. Von den über 75-Jährigen in Deutschland ist bereits mehr als ein Drittel betroffen, weiß Dr. Thilo Schimitzek, Leiter der Augenklinik Kempten. Er rät zu regelmäßigen Kontrollen, um die Symptome einer AMD frühzeitig zu erkennen.

Diese Anzeichen können auf eine beginnende oder bereits bestehende AMD hinweisen:

- Beim Lesen zeigen sich blinde Punkte oder ein unscharfer Fleck
- Besonders im fokussierten Bereich tritt Unschärfe auf
- Linien wirken gekrümmt
- Abstände zwischen Buchstaben lösen sich auf
- Der Kontrast nimmt ab 
- Farben erscheinen blasser
- Die Sehfähigkeit bei schwachem Licht schwindet 
- Das Auge kann sich beim Wechsel von Hell und Dunkel nur schwer umstellen

Fatalerweise greift die AMD genau das Zentrum der Netzhaut an, die Makula. Hier befindet sich die Stelle des schärfsten Sehens mit der höchsten Konzentration von Sinneszellen, die wie eine Kamera das Bild der anvisierten Gegenstände oder Personen in Lichtsignale umwandeln. Sehzellen außerhalb dieses Zentrums leiten zwar ebenfalls ihre Impulse weiter – diese optischen Informationen dienen aber lediglich zur Orientierung und zur räumlichen Einordnung. So kommt es, das AMD-Patienten zum Beispiel das Herannahen von Personen gut erkennen können, der zielgerichtete Blick ins Gesicht aber nicht mehr als einen verschwommenen Fleck erkennen lässt.

„Auch wenn das Sehvermögen nie komplett verloren geht, verändert sich das Alltagsleben unter AMD leidender Menschen doch oft dramatisch“, berichtet Dr. Schimitzek. „Nicht nur Zeitungs- und Buchlektüre wird immer mühsamer und schließlich unmöglich, auch Preisetiketten im Laden oder eine Nachricht auf dem Smartphone sind nicht mehr zu entziffern. Ebenso ist das Autofahren eine Gefahr für die Betroffenen und andere Verkehrsteilnehmer. Die Patienten leiden auch psychisch, weil sie zunehmend ihre Selbstständigkeit verlieren und auf Unterstützung angewiesen sind.“

Trockene AMD: stetiger Verlauf

Die Erkrankung zeigt sich in zwei Varianten: als trockene AMD und als feuchte AMD. Die Ausbreitung der ersten Form, die am häufigsten auftritt, lässt sich bei früher Erkennung durch Anpassung der Lebensgewohnheiten (u. a. Rauchverzicht, Ernährungsumstellung, Gewichtsreduzierung, Vermeidung grellen Sonnenlichts) abschwächen. Denn durch Aufnahme von gesättigten Fetten, zu wenig Bewegung sowie durch Rauchen steigt das genetisch bedingte AMD-Risiko weiter.

Die trockene AMD verläuft stetig. Ursache sind wachsende Ablagerungen unter der Netzhaut, sogenannte Drusen. Kontrolle und somit die Möglichkeit zur rechtzeitigen Diagnose ist hier besonders wichtig.

Feuchte AMD: plötzliches aggressives Auftreten

Die sogenannte feuchte AMD dagegen kann plötzlich und völlig unvorhergesehen auftreten und in ihren direkten Auswirkungen auch weitaus gefährlicher sein. Ihr Gefahrpotenzial besteht in aggressiv wachsenden kleinen Blutgefäßen, die in die Netzhaut vordringen und dort wegen ihrer porösen Struktur Blut oder andere Flüssigkeiten abgeben. Die Qualität der Netzhaut insgesamt kann sich dabei rapide verschlechtern. Ist die Makula betroffen, verringert sich das Sehvermögen oft drastisch, und das in kurzer Zeit.

Dr. Schimitzek behandelt Patienten mit feuchter AMD mit neuesten Medikamenten, die den Flüssigkeitsaustritt in der Regel zuverlässig und nachhaltig stoppen und damit Beschädigungen der Netzhaut verhindern. Die Wirkstoffe werden in einem kleinen Eingriff unter lokaler Betäubung direkt in die gefährdete Zone eingebracht, wo sie quasi als Depot verbleiben, aus dem sich der Organismus nach und nach bedient.

Routinekontrollen ab 40

Damit es erst gar nicht zu solchen Maßnahmen kommen muss, rät Dr. Schimitzek Patienten ab 40 zu augenärztlichen Routinekontrollen im Abstand von zwei Jahren. Modernste Untersuchungsmethoden wie die Fluorescein-Angiographie (Gefäßkontrolle mittels Spezial-Farbstoff) und vor allem die hoch auflösende optische Kohärenztomographie (OCT), die Abtastung der Netzhaut mit einem schwachen Laserlicht, erbringen detaillierte Erkenntnisse über riskante Veränderungen wie Flüssigkeitsansammlungen.

„Es kommt allerdings vor, das sich eine weit fortgeschrittene AMD nicht mehr wirkungsvoll behandeln lässt“, so Dr. Schimitzek. „Ein verantwortungsbewusster Arzt wird dies dem Patienten auch so mitteilen. Von fragwürdigen Therapien, die für solche Fälle trotz kaum existierender Erfolgsaussichten angeboten werden, ist abzuraten. Sie verursachen hohe Kosten, können den Patienten aber nicht wirklich helfen.“