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Für viele Patienten mit Kurz- und Weitsichtigkeit bzw. Alterssichtigkeit die ideale Therapie, weiß Dr. Thilo Schimitzek

Ein Leben ohne Brille dank Multifokallinse

Die Hinweisschilder auf der Autobahn lassen sich vielleicht noch gut erkennen. Doch wenn es um so alltägliche Dinge wie das Ablesen der Uhr oder des Smartphones geht oder um das Erkennen von Preisschildern oder das Abzählen des Wechselgeldes, muss der Durchschnittsmensch ab 50 eine Lesebrille aufsetzen. Das ist zwar lästig, aber alternativlos, glauben viele. Wirklich? Die moderne Augenchirurgie hat eine Methode entwickelt, die das scharfe Sehen sowohl in der Ferne und als auch in der Nähe wiederherstellt: den Tausch der natürlichen Linse des Auges gegen eine künstliche Speziallinse. „Diese sogenannte Multifokallinse simuliert den früheren Zustand, als noch keine Lesebrille erforderlich war“, erklärt Dr. med. Thilo Schimitzek, Leiter der Augenklinik Kempten. „Ihr Vorteil: Sie korrigiert Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit ebenso wie Alterssichtigkeit. So wird ein Leben ohne Brille oder Kontaktlinsen möglich.“

Wie kommt es zur sogenannten Alterssichtigkeit? Mit zunehmendem Alter schwindet die Elastizität im menschlichen Organismus insgesamt. Auch die Linse im Auge, die das Bild auf die Netzhaut projiziert, leidet darunter. Denn sie muss Objekte in der Nähe und in der Ferne scharf abbilden und dazu ihre Brechkraft entsprechend anpassen. Das regelt sie, indem sie ihre Form ändert. Ist das aber nur noch eingeschränkt möglich, erscheinen Gegenstände in der Nähe oder etwa Buchstaben in der Zeitung unscharf. Eine Lesebrille könnte dieses Manko zwar ausgleichen, macht aber den Blickwechsel von der Nähe in die Ferne umständlich. Auch mit einer Gleitsichtbrille kommen viele Menschen nicht gut zurecht.

Mehr als 95 Prozent der Patienten brauchen keine Brille mehr

Mit dem Einsetzen einer künstlichen Linse, dem refraktiven Linsentausch (RLA), lässt sich die falsche Stärke der natürlichen Linse durch die richtige der implantierbaren Kunstlinse ersetzen. Doch herkömmliche Modelle, sogenannte monofokale Linsen, funktionieren nur nach dem Entweder-oder-Prinzip: Sie focussieren auf die Ferne oder auf der Nähe. Die Multifokallinse dagegen besitzt zwei oder mehreren Brennpunkte, die scharfes Fern- und Nahsehen ermöglichen, sowie ggf. auch im Mittelbereich (Computerbildschirm). „Mehr als 95 Prozent aller so behandelten Patienten brauchen keine Brille mehr“, weiß Dr. Schimitzek. Im Laserzentrum Allgäu, das seiner Augenklinik angegliedert ist, hat er sich unter anderem auf derartige Eingriffe spezialisiert.

Wird neben Kurz-oder Weitsichtigkeit zusätzlich eine Hornhautverkrümmung (Stabsichtigkeit/Astigmatismus) festgestellt, setzt er eine torische Multifokallinse ein, die der individuell unterschiedlich ausgeprägten Hornhautverkrümmung exakt angepasst wird. Dies ist ab einer Hornhautverkrümmung von 0,75 Dioptrien notwendig.

Kurzer Eingriff unter lokaler Betäubung mit Augentropfen

Der Eingriff selbst erfolgt unter lokaler Betäubung mit Augentropfen, er dauert nicht länger als zehn Minuten. Per Ultraschall wird die Linse schonend in winzigen Partikeln abgesaugt. Die Implantation der Kunstlinse in geeigneter Stärke erfolgt an der Position der natürlichen Linse hinter der Pupille positioniert. „Von unseren Patienten wissen wir, dass sie die neue Linse nicht anders empfinden als die eigene natürliche Linse“, erklärt der versierte Operateur.

Während einer kurzen Eingewöhnungsphase wird die ursprüngliche Sehkraft schnell wieder erreicht. Eine Zeit lang können wegen der unterschiedlichen Brechung des Lichts in Kunstlinsen vor allem beim nächtlichen Autofahren Blendeffekte entstehen, die aber bald wieder verschwinden.