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Symptome und Ursachen des Grünen Stars und eines Glaukomanfalls

Ärzte kennen den Grünen Star, von Fachleuten auch Glaukom genannt, seit etwa 150 Jahren. Hierbei schädigt ein erhöhter Augeninnendruck den Sehnerv mit seinen hochsensiblen Nervenfasern, welche die Impulse der Fotorezeptoren in das Gehirn (Sehrinde) weiterleiten. Dadurch engt sich nach und nach das Gesichtsfeld ein, bis die Betroffenen ganz erblinden.

Bis heute gilt der Grüne Star als zweithäufigste Ursache für den totalen Sehverlust. Anfangs bemerken die Betroffenen diese Gesichtsfeldeinbußen nicht, weil die Lücken vom Gehirn kompensiert werden und der Nervenfaserverlust völlig schmerzlos ist. Der Augeninnendruck wird über das Kammerwasser reguliert und zusätzlich vom Blutdruck und dem allgemeinen Gefäßzustand beeinflusst. In neun von zehn Fällen – vornehmlich im höheren Lebensalter – tritt ein sogenanntes Offenwinkelglaukom auf, bei dem die Abflussbehinderung direkt im Abflussbereich des Augenwinkels liegt.

Eine weitere, häufige Form des Grünen Stars ist das sogenannte Engwinkelglaukom. Vor allem weitsichtige Menschen sind davon betroffen. Bei ihnen ist der Kammerwinkel aufgrund des kürzeren Auges (Weitsichtigkeit) zu eng, sodass das Kammerwasser nur ungenügend abfließt. Diese Menschen sind auch Risikopatienten für einen Glaukomanfall. Dabei ist der Kammerwinkel plötzlich komplett verlegt und der Augeninnendruck steigt schlagartig an. Betroffene klagen über starke Schmerzen, schlechteres Sehen, Übelkeit und Erbrechen. Bei diesem medizinischen Notfall muss der Augenarzt sofort handeln, da sonst der Sehnerv irreparabel geschädigt wird.

Glaukomvorsorge: Grünen Star rechtzeitig erkennen

Der Grüne Star zählt zu den wenigen Erkrankungen, die durch Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Das Ziel der Therapie ist es, den Augeninnendruck optimal einzustellen und so den fortschreitenden Schaden am Sehnervenkopf maximal zu verlangsamen sowie das Gesichtsfeld möglichst umfassend zu erhalten. Der Arzt kann einen schon bestehenden Schaden jedoch nicht rückgängig machen. Ihm stehen aber zahlreiche hochpräzise diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung, um den Verlauf zu beobachten und rechtzeitig eine individualisierte Therapie anzubieten

Grüner Star: Wie das Kammerwasser reguliert wird

Das Kammerwasser wird kontinuierlich vom sogenannten Ziliarkörper produziert. Diese ringförmige Struktur liegt hinter der Iris (Regenbogenhaut) und ist von außen nicht sichtbar. Das glasklare Kammerwasser wird ständig ausgetauscht und fließt vom Auge Richtung Kammerwinkel ab. Hier passiert das Kammerwasser zuerst das Trabekelwerk, ein engmaschiges Maschenwerk, das als eine Art Filter zu verstehen ist. Dahinter liegt der Schlemm’sche Kanal, welcher das Kammerwasser in spezielle Venen ableitet. Der normale Augeninnendruck liegt durchschnittlich bei 15 mmHg. Bei diesem Wert besteht ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss.

Diagnostik des Grünen Stars

Wichtigstes Instrument ist die Computervermessung des Sehnervenkopfes. Weiterhin werden alle Augenabschnitte mikroskopisch untersucht und der Augeninnendruck vermessen. Je nachdem, wie der Sehnervenkopf beschaffen ist, erkennt der Arzt, ob ein Verdacht auf einen Grünen Star besteht. Ist das der Fall, kann der Augenarzt auf weitere sinnvolle diagnostische Methoden zurückzugreifen wie die Vermessung des Gesichtsfelds und der Nervenfaserschicht.

Grüner Star: Behandlung, aber keine Heilung

Zunächst versucht der Augenarzt, den Augeninnendruck mit Augentropfen abzusenken. Gelingt ihm das, geht der Patient von nun an zu engmaschigen Verlaufskontrollen mit Augendruck-, Gesichtsfeld- und Nervenfaserschichtmessungen. Außerdem muss er sich meist ein Leben lang tropfen. Eine Heilung des Grünen Stars ist nicht möglich. Reichen die Medikamente nicht aus, stehen mehrere operative Behandlungsmethoden zur Wahl. Sie verbessern entweder den Abfluss oder verringern die Produktion des Kammerwassers. Der Eingriff erfolgt mittels Laser oder Skalpell.

Laserbehandlung Grüner Star

Yag-Iridotomie – Prophylaxe eines Glaukomanfalls (Engwinkelglaukom)

Ablauf: ambulant, lokale Betäubung mit Augentropfen, Patient sitzt am Mikroskop

Weitsichtige Patienten haben ein erhöhtes Risiko für einen Glaukomanfall. Der Augenarzt kann ein solches Risiko bei der mikroskopischen Untersuchung durch die anatomische Situation des Auges abschätzen. Je nach Situation wird er eine spezielle Laserbehandlung empfehlen, die einen solchen Anfall verhindern kann. Dafür wird mit dem Laser ein kleines Loch in der Regenbogenhaut angelegt, sodass das Kammerwasser wieder zirkulieren kann.

Verbesserung des Kammerwasser-Abflusses (ALT/SLT)

Ablauf: ambulant, lokale Betäubung mit Augentropfen, Patient sitzt am Mikroskop

Bei diesem Eingriff behandelt der Arzt das Trabekelwerk mittels sehr kurzer und sehr kleiner Laserimpulse. Dadurch dehnt sich das Maschenwerk auf, und das Kammerwasser fließt leichter ab. Der Augeninnendruck sinkt um 6 bis 8 Einheiten (mmHg). Nach 4 bis 6 Wochen hat sich das maximale Therapieergebnis eingestellt. Die Behandlung ist wiederholbar und bis zu zwei Jahre wirksam. Allerdings hilft sie nicht allen Patienten.

Hemmung der Produktion von Kammerwasser (CPC)

Ablauf: ambulant, lokale Betäubung mit Spritze neben das Auge, im Operationsaal

Bei dieser Laserbehandlung des Grünen Stars verödet der Augenarzt Teile des Ziliarkörpers mit Laserimpulsen. Der Ziliarkörper produziert weniger Kammerwasser, der Augeninnendruck sinkt. Drei Monate nach der Therapie ist das Wirkungsmaximum der Therapie erreicht. Bei diesem Eingriff muss der Augenarzt streng darauf achten, auf keinen Fall zu viel Gewebe zu veröden, da sonst zu wenig Kammerwasser produziert wird. Er wird sich deshalb möglicherweise in mehreren Sitzungen an die individuell notwendige Dosis herantasten müssen. Gelegentlich verwendet der Arzt für den Eingriff auch eine Kältesonde (sog. Zyklophotokoagulation).

Implantat (Stent) bei Grünem Star

Ablauf: ambulant, lokale Anästhesie mit Augentropfen

Auch in der Augenheilkunde haben Implantate Einzug gehalten, die ähnlich wie in der Gefäß- und Herzchirurgie Strukturen aufdehnen. Der iStent® bietet sich vor allem bei Patienten an, die an einem Grünen oder einem Grauen Star leiden. Hier kann der Arzt während der Star-Operation risikoarm einen iStent® in den Kammerwinkel (genauer: in den Schlemm’schen Kanal) implantieren. Der iStent® ist das kleinste bekannte Implantat im menschlichen Köper. Er besteht aus nichtmagnetischem Titan. Bis zu 3 von 4 der Patienten benötigen nach der Operation keine weitere Therapie oder lediglich drucksenkende Augentropfen.

Kanaloplastik bei Grünem Star

Ablauf: ambulant unter Vollnarkose oder mit lokaler Betäubung mit Spritze neben das Auge, im Operationssaal

Bei diesem neuen mikroinvasiven Verfahren wird der Schlemm’sche Kanal mithilfe eines Mikrokatheters sondiert und mit einem Spannungsfaden über die gesamte Länge aufgedehnt. Der anspruchsvolle Eingriff ist sehr risikoarm und erreicht eine mittel- bis langfristige Drucksenkung.

Operation bei Grünem Star

Ablauf: ambulant, lokale Betäubung mit Spritze neben das Auge, im Operationsaal

Diese Glaukomoperation zählt zu den bewährtesten, aber auch invasivsten Techniken. Sie steht am Ende der operativen Möglichkeiten und hat den stärksten drucksenkenden Effekt. Dabei legt der Augenchirurg einen Kanal vom Kammerwinkel durch die Lederhaut des Auges bis unter die Bindehaut. Dadurch entsteht unterhalb des Oberlides ein Filterkissen. Nach der Operation wird der Patient engmaschig betreut, bis sich der Augeninnendruck stabilisiert hat. Risiken sind eine überschießende Drucksenkung kurz nach der Operation sowie ein Verschluss des Kanals durch die Wundheilung.