Premium Praxen

Systematische Paradontaltherapie bei Entzündungen am Zahnhalteapparat

Vier von fünf Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens mehrfach oder chronisch an Paradontitis. Die Entzündung des Zahnhalteapparates ist eine weitverbreitete Volkskrankheit. Richtige Mundhygiene zu Hause und regelmäßige professionelle Zahn- und Zahnfleischreinigung ist die beste Vorsorge. Doch was tun, wenn die Krankheit schon weit vorangeschritten ist? Dr Torsten Kamm vom Zentum für Zahngesundheit in Baden-Baden, rät in solchen Fällen zu einer systematischen Paradontaltherapie. „Wir verstehen heute immer besser, wie die Krankheit funktioniert. Dann kann man sie auch besser bekämpfen“, so Dr. Kamm für PREMIUM Kliniken & Praxen.

Ursache für die Paradontitis sind Bakterien, die sich zwischen Zahn und Zahnfleisch ansammeln. . Werden diese Belege (Plaque) nicht gründlich gereinigt mit Zahnbürste, Zahnseide oder Zwischenraumbürsten, bilden sie einen harten Belag, den Zahnstein. Selbst in vielen Zahnarztpraxen ist laut Stiftung Warentest die Prophylaxe unzureichend. Im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren wie Stress, Rauchen oder einer anderen körperlichen Erkrankungen kann sich daraus eine akute Entzündung entwickeln. Auch ein Zusammenhang zu Erkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt oder Rheuma ist wissenschaftlich belegt. Die Immunabwehr des Körpers kapituliert, die Bakterien besiedeln ungebremst den umliegenden Knochen. Regelmäßiges Zahnfleischbluten, Rückgang des Zahnfleisches und des Kieferknochens sind die Folge – am Ende ist Zahnverlust der Konsequenz.

Zu einem systematischen Therapieaufbau gehört daher unbedingt die Prophylaxe. Am Beginn einer Therapie steht die gründliche Diagnostik. Mit einer Paradontalsonde wird jeder Zahn ringsumher kontrolliert. Sie misst, wie tief die Zahnfleischtaschen sind und wie stark die Blutungsneigung bereits fortgeschritten ist. Erst wenn genaue Daten vorliegen kann der Zahnarzt gemeinsam mit dem Patienten einen Therapieplan festlegen. „Wir beginnen in der Regel mit drei Sitzungen zur Vorreinigung von Zähnen und Zahnfleisch. Danach folgt eine intenisvie Reinigung der Zahnfleischtaschen und Wurzeloberflächen unter örtlicher Betäubung, um die harten Belege zu entfernen und die Wurzeln zu glätten“, beschreibt Dr. Kamm das Vorgehen.

Oftmals hat eine solche Behandlung bereits Erfolg. Das Problem bei vielen Patienten: sie haben schon zu viel Gewebe verloren. In solchen Fällen ist ein allmählicher Wiederaufbau des Zahnhalteapparates notwendig, der aus Wurzelzement, Faserbündeln und Knochen besteht. Dazu können bei einem chirurgischen Eingriff zusätzlich Schmelzmatrixproteine verwendet und direkt als Gel aufgetragen werden. Sie bestehen aus biologisch hergestellten Eiweißen und regen die Neubildung des Zahnhalteapparates an. Solche Präparate wurden weltweit bereits bei über einer Million Patienten angewendet. Sie bewirken, dass es nach der Behandlung nicht zur Bildung von Narben- und Bindegewebe kommt, das einen schädlichen Einfluss auf die Gesundung der Zähne hat.

Unter ästhetischen Gesichtspunkten ist Paradontitis im Bereich der Vorderzähne besondern einschränkend. Viele Patienten trauen sich nicht mehr zu lachen, weil ihre Zahnhälse freiliegend sind. „Gerade in solchen Fällen hilft die Kombi-Therapie aus Chirurgie und Proteinen, sodass die Zähne schon nach einem Jahr den gleichen Halt wie vorher haben und sich das Zahnfleisch zurückbildet“, sagt Dr. Kamm. Ist die Parodontitis schon extrem weit fortgeschritten, das Zahnfleisch irreparabel geschädigt und das Knochengewebe zu stark angegriffen, helfen noch weitere Methoden. Zum einen ist eine Transplantation von Weichteilgewebe aus dem Gaumenbereich mit Hilfe mikro-chirurgischer Verfahren möglich. Zum anderen kann man mit körperfremdem oder körpereigenem Ersatzmaterial den Zahn „unterfüttern“. Im Laufe der Zeit wird das Material durch den Körper abgebaut und durch einen eigenen Knochen ersetzt. „Manche Patienten“, sagt Dr. Kamm, „brauchen lebenslang eine Therapie. Aber es lohnt sich. Wenn die Patienten nach der Behandlung mitarbeiten, erzielen wir Heilungsquoten nah an 100 Prozent.“