Premium Praxen

Dr. Marc Hinze rät zu regelmäßiger Vorsorge und penibler Dentalhygiene

Schwangerschaftsrisiko Parodontitis?

Plaque und Ablagerungen auf den Zähnen gelten als harmloser Makel. Aber sie können die Vorstufe zu Parodontitis – umgangssprachlich auch Parodontose genannt  - sein. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass unter Parodontitis leidende schwangere Frauen ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit ihres ungeborenes Baby eingehen. „Parodontitis gehört in den Katalog der Risikofaktoren genauso mit hinein wie Rauchen, starke Medikamente, Diabetes oder Alkoholkonsum“, sagt Dr. Marc Hinze, Spezialist für Implantologie und Parodontologie aus Gräfelfing.

Amerikanische Studien - die ersten wurden bereits vor 30 Jahren durchgeführt - haben mehrfach einen Zusammenhang zwischen Parodontitis sowie Schwangerschaftsproblemen statistisch signifikant nachgewiesen. Insbesondere das Risiko einer Frühgeburt steigt, wenn das Zahnfleisch unter bakteriellem Dauerbeschuss steht. Lange hat man geglaubt, dass die Plazenta dem ungeborenen Kind einen ausreichenden Schutz gegen Viren und Bakterien bietet. Diese These lässt sich jedoch nicht länger halten. Im Fruchtwasser fanden Wissenschaftler die gleichen Bakterien, die auch im Mundraum der Mutter vorkamen. Haben diese Eindringlinge die Placenta und damit den Fötus erreicht, besteht ein 2,8fach höheres Risiko einer Frühgeburt, wie Wissenschaftler der staatlichen Universität von North-Carolina in Chapel Hill herausfanden.

Unbedingt zur Vorsorge und Dentalhygiene

Der Rat von Dr. Hinze: „Es ist schwangeren Frauen daher unbedingt zu empfehlen, schon bei der Familienplanung, spätestens mit Beginn der Schwangerschaft, die Zähne auf Parodontits untersuchen zu lassen und umgehend eine Behandlung zu beginnen. Bei einer Parodontitis im Frühstadium reicht dafür eine sorgfältige Dentalhygiene aus, bei der Plaque, Zahnstein und die harten Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischsaumes vollständig entfernt werden.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler verursachen die in die Plazenta eindringenden sehr aggressiven Bakterien beim Fötus Stress- und Abwehrreaktionen. Sie geben an das Gehirn die Warnsignale einer Immunreaktion oder einer Entzündung weiter. Daraufhin kann es zu vorzeitigen Wehen – und damit zu einer Frühgeburt kommen. Auch können Föten auf das Eindringen der Fremdlinge mit einer Art Aufnahmestopp reagieren. Das könnte ein Grund dafür sein, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Parodontitis und Wachstumsstörungen im Mutterleib gibt.

Besonders gravierend. Aufgrund der hormonellen Umstellung während der Schwangerschaft kommt es häufiger zu Zahnfleischbluten als normal. Es entwickelt sich ein optimaler Nährboden für Bakterien. Je größer die Infektionsherde sind, desto mehr Bakterien können in das Gewebe eindringen und über die Blutbahn der Mutter in die Placenta und damit in die Fruchtblase transportiert werden. Dr. Marc Hinze: „Es besteht sicherlich bei Parodontitis kein Grund zur übertriebenen Panik. Aber Frauen, die häufig unter Zahnfleischbluten leiden und dann schwanger werden, sollten sich unbedingt in professionelle Betreuung begeben.“

Insgesamt ist Parodontitis ein Massenphänomen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist davon in leichter oder schwerer Form betroffen. Langfristig kann der Bakterienbelag zu einer Entzündung des Zahnhalteapparates und damit zu Zahnausfall führen. Auch ein Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall ist möglich, wie Forschungsergebnisse nahelegen.