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Vertrauen und Verständnis sind die beste Grundlage, berichtet Luca Schlotmann

Wirkungsvolle Strategien gegen Zahnarztangst

Für viele Patienten ist der Gang zum Zahnarzt nur ein Ritual, für andere aber eine Qual. Aus Angst schieben viele eine Behandlung immer weiter vor sich her - oft mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit. Im Interview mit PREMIUM Kliniken & Praxen erläutert Luca Schlotmann, Dentalklinik Dorsten, wie man mit Ängsten umgehen und eine angenehme Behandlungssituation schaffen kann.

Wie weit verbreitet ist die Angst vor dem Zahnarzt?

Laut Statistik leiden drei von vier Patienten unter Angst vor zahnärztlichen Eingriffen. Aber in der Praxis kommt es immer auf den Einzelfall an, weil bei den Betroffenen die Ängste unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Mit welchen Symptomen sind Sie konfrontiert, wenn Angstpatienten in Ihre Praxis kommen?

Oft bekommen sie Schweißausbrüche oder ihnen wird übel. Körperliche Anzeichen für akute Angst vor der bevorstehenden Behandlungssituation sind auch ein deutlich erhöhter Herzschlag, Krämpfe, Zittern, Schwindel – manchmal hyperventilieren Patienten auch. Anzeichen eines seelisch-psychischen Schamgefühls sind, wenn Patienten abweisend oder aggressiv auftreten oder in letzter Minute einen vorgeschobenen Grund finden, um den Termin abzusagen oder die Praxis zu verlassen.

Wie kann man die Angst vor dem Zahnarzt nehmen?

Entscheidend ist, dass sowohl der Zahnarzt als auch das gesamte Praxisteam den Patienten vor und während der Behandlung mit seinen Ängsten ernst nehmen. Durch kompetente Betreuung versuchen wir im Vorfeld, Vertrauen sowie die Aufmerksamkeit des Patienten zu gewinnen. Erst dann können wir - je nach Ausmaß der Angstzustände – damit beginnen, den Patienten auf die Behandlung vorzubereiten. Dies geschieht unter anderem durch Aufklärung zum Thema Angst und den Umgang mit den eigenen Emotionen. Wir machen den Patienten vertraut mit der zahnärztlichen Umgebung. Das heißt:  ich erkläre die einzelnen Behandlungsschritte und zeige die Instrumente, die dafür notwendig sind.

Wenn das noch nicht hilft?

Eine weitere Möglichkeit sind Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Atemübungen. Auch Beruhigungsmittel wie Baldrian oder Bachblüten kann man einsetzen. Wir wenden auch erfolgreich Akupunktur zu Stimulierung bestimmter Körperpunkte an.

Wovor konkret haben die Menschen Angst?

Das ist ganz unterschiedlich. Einige Patienten tragen schlechte Erinnerungen aus der Vergangenheit in die aktuelle Behandlung hinein, andere fürchten sich vor Schmerzen oder haben Angst vor Spritzen. Ein „Klassiker“ ist auch die Angst vor durchdringenden Geräuschen. Die Angst vor dem Würgereiz ist vor allem ein Indiz für ein besonders ausgeprägtes Schamgefühl, weil sich diese Menschen für ihre natürlichen Reaktionen beim Eingriff im Mundbereich genieren. Manche habe Angst davor, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren und ausgeliefert zu sein. Selbst die Möglichkeit unerwarteter Zusatzkosten löst bei einigen Patienten Angst aus. Dem beugen wir durch eine solide Vertrauensbasis sowie ausreichende Aufklärung über die Kosten der Behandlung vor.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Hypnose gemacht?

Vor allem bei kleineren Eingriffen kann die Hypnose eine geeignete Methode sein. Allerdings wählen wir bei stark ausgeprägten Ängsten oder langen Behandlungen eine Betäubung durch Sedierung oder Narkose.

Welche Formen der Narkose empfehlen Sie?

Den meisten Patienten mit Angstzuständen empfehle ich eine Sedierung oder eine leichte Narkose. Bei der Sedierung werden die Funktionen des zentralen Nervensystems gedämpft. Die Ängste der Patienten werden deutlich reduziert und auch die Behandlungsdauer empfinden sie als kürzer. Bei Bedarf können lokale Stellen nachträglich betäubt werden. Eine leichte Narkose versetzt die Patienten in eine Art Dämmerschlaf, das bedeutet, dass sie den Eingriff nur am Rande mitbekommen und keine Schmerzen spüren.