Premium Praxen

Dr. Wolfgang Dinkelacker kennt die individuell bestgeeigneten Implantatsysteme

Implantat ist nicht gleich Implantat: Die Vor- und Nachteile von Titan & Co.

Die Qual der Wahl haben Verbraucher nicht nur beim Kauf von Schuhen, Smartphones oder Autos. Auch bei Zahnimplantaten können sie zwischen einer breiten Palette an Angeboten wählen. Zumindest theoretisch. In der Praxis verlassen sich die meisten Patienten jedoch auf die Empfehlung ihres Zahnarztes. Doch was verbirgt sich hinter den rund 160 Implantatsystemen, die sich auf dem Markt befinden? Implantatspezialist Dr. Wolfgang Dinkelacker gliedert für PREMIUM Kliniken & Praxen das Angebot und erläutert Vor- und Nachteile. „Die Auswahl des richtigen Implantatsystems ist ein wichtiger Baustein in einer seriösen Vorplanung und ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg der Behandlung“, betont Dr. Dinkelacker.

1. Das Material. Aufgrund ihrer Bruchfestigkeit bevorzugen die meisten Zahnärzte noch immer metallische Implantate. Weil der Körper am besten auf den Werkstoff Titan reagiert, hat sich dieses Edelmetall durchgesetzt. Außerdem ist Titan leicht, stabil und doch dehnbar, korrosions- und temperaturbeständig. Aufgrund des komplizierten Herstellungsprozesses ist reines Titan wesentlich teurer als Stahllegierungen. 

Legierungen als Alternative zum reinen Titan

Implantate aus reinem Titan haben den Vorteil, dass der Körper nur ein einziges Metall annehmen muss. Alternativen dazu sind Titanlegierungen aus Titan-Aluminium-Vanadium, Titan-Niobium und Titan-Zirkonium. Legierungen weisen eine noch höhere Bruchfestigkeit auf als reines Titan. Allerdings können Titan-Aluminium-Vanadium-Legierungen unerwünschte Nebenwirkungen aufweisen, sie sind daher aus medizinischen Gründen abzulehnen. 

Über einen längeren Zeitraum erforscht und klinisch getestet sind Legierungen aus Titan-Zirkonium. Sie sind seit rund 15 Jahren im Einsatz und bieten einige Vorteile: hohe Bruchfestigkeit, verbesserte Einheilung im Knochen, geringerer Implantat-Durchmesser, geringeres Risiko von Frakturen.

Rückstände auf Oberflächen

2. Die Oberfläche. Verschiedene Herstellungsprozesse führen zu Abweichungen in der Qualität der Oberflächenstruktur. Teilweise wurden auf Implantatoberflächen bereits Rückstände von Aluminiumoxid nachgewiesen. Solche Rückstände können das Integrationsverhalten des Körpers negativ beeinträchtigen. „Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, kann sich auch an die Universitäten Frankfurt und Köln wenden. Dort wurden die Oberflächen der Implantate aller Hersteller unter anderem auf Rückstände untersucht“, empfiehlt Dr. Dinkelacker, Autor des aktuell im Thieme-Fachverlag erschienenen Buches „Implantatprothetik“.

3. Die Implantatgeometrie. Hier gibt es Unterschiede bei den Gewinden und bei den Andockstrukturen für die Prothese. Ein wichtiger Faktor ist die sogenannte Mikro-Beweglichkeit. Umso geringer der Spielraum zwischen dem metallischen Implantat und der aufgesetzten Prothese, desto schwieriger ist der fachgerechte Umgang. Bei Einzelimplantaten ist dieses Problem gut in den Griff zu bekommen, bei Rekonstruktionen von mehreren Zähnen kommt es auf die Art der Prothetik an, welche Andockstruktur der Vorzug zu geben ist. 

Vorsicht bei Parodontitis-Risiko

Wichtig ist auch, ob der Patient ein erhöhtes Parodontitis-Risiko hat. In diesem Fall sollte man keine Implantat-Verbindungen auf Knochen-Niveau wählen. Stattdessen empfiehlt es sich, einen ca. 1-3mm breiten Sicherheitsabstand zwischen Knochen und Verbindungsstruktur zu belassen. Dadurch vermindert sich das Risiko für Infektionen, die zu Entzündungen mit anschließendem Knochenverlust führen können.

Buchempfehlung für Experten: Dr. Wolfgang Dinkelacker. Implantatprothetik: Biomechanische und prothetische Konzepte in der Implantologie. Thieme-Verlag 2014.